Ein Vierteljahrhundert in Gemeinsamkeit

Gmünd und Hütten zum 1. Juli 1972 nach Grafenwöhr eingemeindet

 

 

 

Liebe Bürgerinnen
und Bürger!

Als am 1. Juli 1972 die ehemals selbständigen Gemeinden Gmünd und Hütten nach Grafenwöhr eingemeindet wurden, war bei vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern der Gemeinden Gmünd und Hütten eine gewisse Skepsis und Zurückhaltung unverkennbar.

Es stellte sich die Frage: Wie wird sich denn diese neue Ehegemeinschaft entwickeln? Ist das Zusammenwachsen, die Zusammengehörigkeit mit der Stadt Grafenwöhr möglich? Werden wir als Mitbringsel angesehen oder nur, weil eine gewisse Mitgift im Gespräch war, akzeptiert? Viele Fragen waren damals offen – heute kann darauf eine Antwort gegeben werden.

Vor 25 Jahren wurde zwar offiziell kein Eheversprechen vor dem Standesbeamten abgelegt – aber dieses Ja zur Aufnahme nach Grafenwöhr war folgenschwerer als vieles andere vorher. Sind Zwangsehen hierzulande gesetzeswidrig – bei Menschen jedenfalls –, war dies bei der Gebietsreform nicht verboten. Nicht immer empfanden die davon betroffenen Bürger diesen Akt der Fürsorge als hilfreich. Zumeist war es das Bemühen, im Interesse der Überlebensfähigkeit gewisse Mindeststandards abzusichern, die bei sehr kleinen Gemeinden unmöglich oder aber sehr teuer gewesen wären.

Die ehemaligen Gemeinderäte von Gmünd und Hütten können sicher ein Lied davon singen, was es heißt die Selbständigkeit aufzugeben.

Die langjährige Eigenständigkeit einerseits und die Konkurrenz und Rivalität andererseits, wie man sie auch bei einander durchaus wohlgesonnenen Nachbarn kennt, haben jeden Gedanken an Zusammenschluß zunächst mit manch scharfer Kritik begleitet. Die Befürworter dieser neuen Gemeinschaft waren dementsprechend anfangs eine recht bescheidene Minderheit. Sie taten sich schwer, für ihr Ziel zu werben.

 

Klar war die Sache jedoch, als die Bürger zur Entscheidung gerufen wurden. Rund 90 % der Bürgerinnen und Bürger aus Gmünd und Hütten votierten für den Anschluß an Grafenwöhr. So wurde trotz verschiedener Meinungen und mancher Spannungen am 1. Juli 1972 der neue Bund fürs Leben zwischen der Stadt Grafenwöhr und den ehemaligen Gemeinden Gmünd und Hütten geschlossen.

Wer nicht Zeuge der Auseinandersetzungen und Verhandlungen war, kann die Gegenwart ganz unvoreingenommen zur Kenntnis nehmen. Er wird – so hoffe ich jedenfalls – mit mir gemeinsam feststellen, daß die Zeit viele der vom Zwangsverband anfänglich geschlagenen Wunden geheilt hat. Und er wird – wenn er ehrlich ist – auch zugeben müssen, daß es sich mit dem neuen Partner – der Stadt Grafenwöhr und den Bürgerinnen und Bürgern – gut leben läßt.

Das heutige Jubiläum ist ein sehr erfreulicher Tag. Wenn wir es dazu benutzen, eine Zwischenbilanz zu ziehen, können wir insgesamt recht zufrieden sein. Daß der Zusammenschluß mit finanziellen Vorteilen verbunden war, die zunächst die Gemeindekasse und damit letztlich auch die Bürger entlasteten, hatte von Anfang an kaum jemand ernsthaft bezweifelt.Die Skepsis galt eher der Antwort auf die Frage, welcher der neuen Gemeindeteile den anderen dominieren und damit auf lange Sicht "unterbuttern" würde.

Auch in diesem Punkt ist die Entwicklung bis heute friedlich verlaufen. Dies lag entscheidend daran, daß alle Verantwortlichen und Beteiligten mit Offenheit, aber auch in dem ehrlichen Bemühen um ein gutes Miteinander an der gemeinsamen Zukunft gearbeitet haben. Einmal mehr hat unser Beispiel bestätigt, daß Vernunftehen, die nicht im ständigen Wechsel der Gefühle zwischen "himmelhochjauchzend" und "zu Tode betrübt", sondern in einem eher stabilen Gleichmaß verlaufen, auf lange Sicht durchaus glücken können.

Für viele stellt sich nach 25 Jahren die Frage, was denn die Gemeindezusammenlegung für die Entwicklung der Stadt Grafenwöhr gebracht hat. Eines kann im vornherein von mir beantwortet werden, daß durch die Doppelhochzeit eine Entwicklung eingeleitet werden konnte, die allein auf das Stadtgebiet Grafenwöhrs von 1972 bezogen, nicht möglich gewesen wäre.

Ich denke hier im besonderen an

  • den Einwohnerzuwachs inklusive Flächenvergrößerung
  • die damals für die vorzeitige Eingemeindung gewährten zusätzlichen Schlüsselzuweisungen,
  • die Lage der Gemeinde Hütten im ehemaligen Zonenrandgebiet und am gemeindefreien Gebiet Manteler Forst,
  • die intakten Dorfgemeinschaften mit Eigeninitiativen beim Ausbau des Hauses der Begegnung in Gmünd und des Gemeindezentrums in Hütten,
  • die Stärkung der Schulen mit Einrichtungen Stadthalle-Waldbad,
  • die Stärkung des möglichen Mittelzentrums im Städtedreieck.

Auch aus Sicht der Gemeindeteile Gmünd und Hütten hat der Anschluß viele Vorteile gebracht, so u. a.

  • günstigere Gebühren, insbesondere beim Wasser,
  • Verbesserung der Infrastruktur (Wasser, Kanal, Straßen, Kindergärten, Spielplätze,
  • eine leistungsfähige Verwaltung mit geschultem Personal und einem aufgeschlossenen Stadtrat,
  • eine hervorragend ausgestattete Grund- und Hauptschule,
  • Freizeiteinrichtungen und ein großes Vereinsangebot.

An sonstigen wichtigen Projekten und Maßnahmen sind zu nennen:

für Gmünd

  • Neubau des BRK-Altenheimes
  • Haus der Begegnung
  • Feuerwehrhaus und -auto
  • Kirche
  • Sportheim und Sportplatz
  • Spielplätze
  • Werkkanalbrücke
  • Sanierung des gesamten Straßennetzes (ausschl. NEW 22)
  • Ortskanalisation mit Anschluß an die Kläranlage Grafenwöhr
  • Ausweisung von Baugebieten (Schloßstraße, Hirtäcker, Bruckendorfgmünd)

für Hütten

 

  • Umbau des ehemaligen Schulhauses zu einem Gemeindezentrum
  • Bau von Aussiedlerwohnungen
  • Kindergarten St. Josef
  • Gewerbe- und Industriegebiete
  • Ortsstraßenausbau
  • Sportheim
  • Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses, Feuerwehrauto
  • Partnerschaft zu Hütten/Herschdorf/Thüringen
  • Spielplätze
  • Ortsumgehung NEW 21
  • Ortskanalisation mit Anschluß an die Kläranlage Grafenwöhr
  • Ausweisung von Baugebieten (Fasanenweg, Hütten-Mitte, Pfarrgasse, Hütten-Süd)
  • Ansiedlung neuer Betriebe.


 

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Konzept und Ausführung COLOR Design Grafenwöhr
Juli 1997